„Große Chance für Schlüchtern“
In Schlüchtern soll im Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“ ein hochmodernes H2-ready-Energiekraftwerk entstehen, um das geplante Rechenzentrum in Birstein mit Strom zu versorgen und gleichzeitig das Netz zu stabilisieren. Anfangs soll das Kraftwerk mit Brennstoffzellen und Gas betrieben werden, voraussichtlich schon 2034 soll es dank Wasserstoff komplett CO2-neutral sein. Für die Stadt könnte dies jährliche Gewerbesteuereinnahmen in signifikanter Höhe bedeuten – unabhängig vom Energieverbrauch. Die Bürgerinnen und Bürger sollen bei Realisierung des Kraftwerks außerdem von sehr preiswerter Fernwärme profitieren. „Das ist eine große Chance für Schlüchtern“, sagt Bürgermeister Matthias Möller. Der nächste Schritt ist nun die Zustimmung der Gremien zu einer tiefergehenden Prüfung des Vorhabens.
Geplant wird das hochmoderne Energiekraftwerk von der Argaman Group in Frankfurt, die auch das Rechenzentrum in Birstein entwickelt. Gebaut und betrieben werden soll es von einem der großen deutschen Energieversorger. Die Anlage wird eine Leistung von bis zu 276 Megawatt erreichen, das Investitionsvolumen beträgt voraussichtlich 750 Millionen Euro.
Die Energie soll zu 80 Prozent aus Brennstoffzellen gewonnen werden, zu 20 Prozent aus Gasverbrennung. Dies reduziert Stickstoffgase und den CO2-Ausstoß. Das Kraftwerk soll „H2-ready“ gebaut werden, also direkt für Wasserstoff vorbereitet sein. „Ab Mitte der 2030er Jahre ist eine vollständige Umstellung auf CO2-neutralen Betrieb geplant“, sagt Dr. David Roitman, Geschäftsführer der Argaman Group.
Nach intensiven Verhandlungen setzte sich die Bergwinkelstadt durch. „Schlüchtern ist der perfekte Standort, denn hier kreuzen sich zwei große Gasleitungen, die eine zuverlässige Gasversorgung garantieren“, sagt Roitman. Zudem befindet sich das Umspannwerk Elm in direkter Nähe, „und dort soll der Strom langfristig zur Netzstabilität eingespeist werden“, erklärt Roitman. Perspektivisch werde eine eigene Wasserstoff-Pipeline den klimaneutralen Betrieb ermöglichen und so die Nachhaltigkeit langfristig sichern.
Im nächsten Schritt beschäftigen sich die Gremien nun mit einem Prüfauftrag an den Magistrat sowie die Verwaltung. Erst nach diesem Prüfauftrag wird eine mögliche Zustimmung diskutiert. „Es ist uns wichtig, die Leute mitzunehmen und umfassend zu informieren. Wir nehmen dies sehr ernst“, sagt Bürgermeister Matthias Möller. „Themen wie Emissions- und Lärm-
sowie Umweltschutz genauso wie bau-, steuer- und naturschutzrechtliche Fragen werden offen diskutiert und sorgfältig geprüft. Alle Gutachten werden bis zur finalen Kaufentscheidung der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt, voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres“, sagt Möller.
Für die Bürgerinnen und Bürger soll es mehrere Informationsveranstaltungen geben. Die erste findet Anfang September im Café Fabrice (Breitenbacher Straße 3) in Schlüchtern statt. Näheres dazu steht im Infokasten. Außerdem ist ein Bürgerforum in der Stadthalle geplant, der Termin wird in Kürze bekanntgegeben.
Start der Bauarbeiten soll voraussichtlich Anfang 2028 sein, die Bauzeit beträgt circa zwei Jahre. Das Kraftwerk soll mindestens 30 Jahre betrieben werden. „Das Energiekraftwerk bringt enorme Vorteile für alle Stadtteile sowie alle Bürgerinnen und Bürger“, betont Rathauschef Möller. In der Tat: Mögliche Gewerbesteuereinnahmen eröffnen neue Möglichkeiten für Schlüchtern: den Bau eines neuen Feuerwehrstandorts, Sanierungen von Kindertagesstätten sowie die Konsolidierung der Stadtfinanzen.
Neben Strom fällt kostenlose Abwärme an, die als enorm preiswerte Fernwärme genutzt werden könnte – mit einer Kapazität von etwa 50 Megawatt für bis zu 10.000 Haushalte. Ein eigenes Fernwärmenetz könnte dann in greifbare Nähe rücken und so einen entscheidenden Beitrag im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung leisten. „Hier kommt uns zugute, dass wir uns mit der Energie Bergwinkel GmbH in den Grundstrukturen bereits sehr professionell aufgestellt haben“, sagt Möller. Die Fernwärme kann für öffentliche Einrichtungen wie das Freibad und das Hallenbad, die Feuerwehr, die Stadthalle, die Kläranlage oder die Kindertagesstätten genutzt werden – ebenso wie für Privathaushalte sowie Gewerbe- und Industriebetriebe. „Unmittelbar nach dem Kaufabschluss ist die Gründung eines Wärme-, Energie-, Klima- und Nachhaltigkeitsfonds angedacht. Dessen Mittel könnten dann gezielt in grüne Infrastruktur, die Entsiegelung von Flächen, die Reduzierung von Stadtwärme an heißen Sommertagen sowie die Schaffung von Klimainseln fließen“, betont Möller. Der Fonds selbst wird dabei im Wesentlichen vom Energiekraftwerksbetreiber finanziert.
Schlüchterns Bürgermeister sagt abschließend: „Der Bedarf nach Energie steigt und steigt, nicht zuletzt wegen des Hypes um Künstliche Intelligenz und der damit verbundenen Rechenzentren. Diese Entwicklung ist unumkehrbar, deshalb ist es umso wichtiger, sie aktiv mitzugestalten. Mit diesem Projekt setzt Schlüchtern einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Energieversorgung – wirtschaftlich stark, ökologisch zukunftsfähig und transparent gestaltet.“
Weitere Berichte folgen.
Infokästen:
Bürgerdialog:
„Die Kommunikation mit den Schlüchternerinnen und Schlüchternern ist enorm wichtig. Wir wollen von Beginn an alle mitnehmen und fachlich korrekt informieren, sodass sich jeder eine Meinung bilden kann“, sagt Rathauschef Matthias Möller. Für ihn stehe fest: „Dieses Kraftwerk ist ein echte Chance für unsere Bergwinkelstadt.“
Informationsveranstaltungen im Café Fabrice (Breitenbacher Straße 3 in Schlüchtern):
• Dienstag, 8. September, 19:30 Uhr
• Mittwoch, 9. September, 19:30 Uhr
Achtung: Bitte per Mail an buergermeister@schluechtern.dedie Plätze begrenzt sind.
Frag doch mal die Stadt
• Sonntag, 27. September, 11 bis 16 Uhr
Es folgen weitere Infoveranstaltungen und ein Bürgerforum in der Stadthalle. Die Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben.
Das Energiekraftwerk:
Das hochmoderne Energiekraftwerk soll primär das geplante Rechenzentrum in Birstein mit Strom versorgen, aber auch das Netz stabilisieren. Es ist so konzipiert, dass es vollständig auf grünen Wasserstoff umgestellt werden kann – und damit komplett klimaneutral arbeitet.
Nennleistung: bis zu 276 Megawatt
Größe: 160 Meter lang, 90 Meter breit, 20 Meter hoch, Höhe der Schornsteine bis zu 60 Meter
Investitionsvolumen: circa 750 Millionen Euro
Nutzungsdauer: circa 30 Jahre

