„Es profitieren beide Kommunen und unsere Region“
Um das geplante Rechenzentrum in Birstein mit Strom zu versorgen, soll ein modernes H2-ready-Energiekraftwerk entstehen. Dafür hat sich nach intensiven Verhandlungen die Stadt Schlüchtern als idealer Standort beim Projektentwickler durchgesetzt. Birsteins Bürgermeister Fabian Fehl bedauert zwar entgangene Gewerbesteuereinnahmen und weniger neue Arbeitsplätze, freut sich gleichzeitig aber über die interkommunale Zusammenarbeit.
Die Verlegung des Standorts nach Schlüchtern habe technisch-wirtschaftliche Gründe, betont die Argaman Group, die das Rechenzentrum sowie das Energiekraftwerk plant und entwickeln möchte. „Schlüchtern ist perfekt geeignet, weil sich dort zwei große Gasleitungen kreuzen, die eine zuverlässige Versorgung garantieren“, sagt Geschäftsführer Dr. David Roitman.
Ein weiterer Vorteil sei die Nähe zum Umspannwerk Elm, wo der Strom langfristig zur Netzstabilität eingespeist werden soll. Dass sich Schlüchtern als besserer Standort heraus kristallisiert habe, „nehmen wir hier in Birstein zur Kenntnis. Mit der Verlagerung des Energiekraftwerks nach Schlüchtern entgehen uns Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuereinnahmen in erheblicher Höhe.“ Gleichzeitig sei der Austausch jederzeit fair gewesen. „Schlüchtern hat mit der vorhandenen Infrastruktur die Argumente für das Energiekraftwerk auf seiner Seite. Wir haben mit den Windparks und der freien Gewerbefläche von elf Hektar die Vorteile für den Standort des Rechenzentrums. Am Ende profitieren beide Kommunen und unsere Region.“
Schlüchterns Rathauschef Matthias Möller bestätigt den vertrauensvollen Austausch und sieht große Chancen in der Ansiedlung: „Neben den hohen Gewerbesteuereinnahmen und neuen Arbeitsplätzen können wir Projekte wie den Bau eines neuen Feuerwehrstandorts, Sanierungen unserer Kindertagesstätten oder die Konsolidierung der Stadtfinanzen weiter vorantreiben.“
Zudem könne ein eigenes Fernwärmenetz in greifbare Nähe rücken, das einen entscheidenden Beitrag zur kommunalen Wärmeplanung leisten kann. „Wir sprechen hier von etwa 50 Megawatt für bis zu 10.000 Haushalte“, sagt Matthias Möller. Diese könne für öffentliche Einrichtungen ebenso wie für Privathaushalte und Gewerbe- oder Industriebetriebe genutzt werden.
Zudem sei ab Mitte der 2030er Jahre eine vollständige Umstellung des Energiekraftwerks auf CO2-neutralen Betrieb geplant. Für Matthias Möller steht fest: „Wir müssen uns intensiv damit auseinandersetzen, ich sehe hier große Chancen für beide Kommunen.“ Und Fabian Fehl betont abschließend: „Uns geht es in erster Linie um den Bau des Rechenzentrums, das wir sehr gerne in Birstein haben möchten. Und wenn wir mit dieser Kooperation zu einer guten Lösung für alle Beteiligten kommen, dann sind wir sehr glücklich.“
In Schlüchtern finden in Kürze einige Infoveranstaltungen und Bürgerdialoge zum Energiekraftwerk statt, Näheres dazu steht im Infokasten.
Das Energiekraftwerk:
Das hochmoderne Energiekraftwerk soll im Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“ entstehen und primär das geplante Rechenzentrum in Birstein mit Strom versorgen, aber auch das Netz stabilisieren. Es ist so konzipiert, dass es vollständig auf grünen Wasserstoff umgestellt werden kann – und damit komplett klimaneutral arbeitet.
Nennleistung: bis zu 276 Megawatt
Größe: 160 Meter lang, 90 Meter breit, 20 Meter hoch, Höhe der Schornsteine bis zu 60 Meter
Investitionsvolumen: circa 750 Millionen Euro
Nutzungsdauer: circa 30 Jahre
Das Rechenzentrum:
Das Rechenzentrum soll im Gewerbegebiet „Im obersten Grünnel“ entstehen und mit der enormen Leistung die Recheninfrastruktur für KI, Clouding und Colocation zur Verfügung stellen.
IT-Leistung: bis zu 200 Megawatt
Fläche: rund 11 Hektar
Investitionsvolumen: mehrere Milliarden Euro
Nutzungsdauer: circa 30 Jahre, Verlängerung durch technische Modernisierung (Repowering) möglich
Infoveranstaltungen:
Informationsveranstaltungen im Café Fabrice (Breitenbacher Straße 3 in Schlüchtern):
- Dienstag, 8. September, 19:30 Uhr
- Mittwoch, 9. September, 19:30 Uhr
Achtung: Bitte per Mail an buergermeister@schluechtern.de anmelden, da die Plätze begrenzt sind.
Frag doch mal die Stadt: Sonntag, 27. September, 11 bis 16 Uhr
Es folgen weitere Infoveranstaltungen und ein Bürgerforum in der Stadthalle. Die Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben.

