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„Ein großer Tag für Schlüchtern“

Werner-Gruppe gewinnt Strukturiertes Bieterverfahren und soll nun die Neue Mitte entwickeln

Die Werner-Gruppe aus Fulda soll als Sieger des Strukturierten Bieterverfahrens die Neue Mitte Schlüchterns auf dem ehemaligen Langer-Areal entwickeln. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Stadtverordneten am Montagabend.


Schlüchterns neue Mitte

„Mit der Umsetzung dieses Projektes haben wir einen entscheidenden Schritt für Schlüchtern getan. Konkret bedeutet das, dass wir ein Areal für die unterschiedlichsten Zielgruppen erschaffen werden, um den erhofften Frequenzbringer für die Innenstadt zu verwirklichen. Wir haben die Entwicklung unserer Heimatstadt aktiv angefasst und tragen sie in unseren Händen“, sagte Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller während der Pressekonferenz am Dienstagvormittag, bei der nicht nur der Gewinner vorgestellt wurde, sondern auch die konkreten Pläne. Das Stadtoberhaupt sprach von einem „großen Tag für Schlüchtern“. Die Stadt selbst hatte bekanntlich im November 2018 das Gelände des ehemaligen Kaufhauses Langer erworben. Den Grundstücksteil im hinteren Bereich Richtung Lotichiusstraße entwickelt sie in Eigenregie zum Kultur- und Begegnungszentrum.

Große Freude gab es über den Meilenstein für Schlüchtern. Von links: Erster Stadtrat Reinhold Baier, Tobias Orth (Stadtverwaltung), Landrat Thorsten Stolz, Lydia Kohlhepp, Thomas Rau (beide Stadtverwaltung), Bürgermeister Matthias Möller, Klaus Diegelmann, Richard Nüchter (beide Werner-Gruppe), Stephan Storch (Architekten Reith, Wehner, Storch), Dieter Fellmann (Ingenieurbüro Fellmann), Max Reith (Reith, Wehner, Storch), Christoph Seebo (Rechtsanwaltskanzlei Seufert Law). Foto: Stadtverwaltung Schlüchtern

 

Die Investorsuche für die Bereiche an der Obertorstraße und an der Bahnhofstraße waren in ein Strukturiertes Bieterververfahren eingebunden worden. Dieses startete im April dieses Jahres unter der Begleitung des Bau-Ingenieurbüros Fellmann sowie der Anwaltskanzlei Seufert Law (beide aus Leipzig).

Zahlreiche Projektentwickler hatten sich um die Vergabe beworben, letztlich machte die Werner-Gruppe das Rennen. Die Werner-Gruppe hat ihren Ursprung in Kalbach-Mittelkalbach, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schlüchtern befindet. Gemeinsam mit dem Fuldaer Architekturbüro Reith, Wehner, Storch hatten sie die entsprechenden Pläne und Konzepte entwickelt, die die höchste Punktzahl im Verfahren abräumten und den meisten Zuspruch bei den Entscheidern fanden.

Architekt Stephan Storch erläuterte die Pläne der Investoren. Neben dem Kultur- und Begegnungszentrum im Westen werden ein Wohn- und Geschäftshaus im Osten sowie ein Wohnturm im Süd-Osten die drei Anker des mehr als 10.000 Quadratmeter umfassenden Geländes bilden. In der Mitte soll eine parkähnliche Grünfläche entstehen.

„Wir orientieren uns bei der Gliederung des Areals an der europäischen Stadt, die im Wesentlichen durch bedeutende öffentliche Gebäude, Kirchen mit Türmen, Plätzen, Passagen und Parkanlagen gegliedert ist“, erklärte Storch bei der Präsentation.

Die Ankergebäude sollen durch die expressiv gewählte Dachform ihre Bedeutung im Stadtraum darstellen. Der Wohnturm in der Mitte des neuen Quartiers soll die Silhouette Schlüchterns ergänzen und den Namen „Thaler Turm“ tragen. Auf dem Gelände war früher die Brauerei Thaler ansässig. Die neue grüne Mitte des Quartiers soll „Park am Thaler Turm“ heißen. Hier werden Aufenthaltsflächen und Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen. Des Weiteren ergänzt ein Eiscafé/Bistro im „Thaler Turm" mit Arkaden und Terrasse zum Park das Freizeitangebot durch eine gastronomische Nutzung.

Das Wohn- und Geschäftshaus als östlicher Anker erhält erdgeschossig kleinteilige Gewerbeflächen, ein Café beziehungsweise eine Bäckerei an der Obertorstraße und öffentliche bürgernahe Verwaltungsnutzungen (zum Beispiel das Bürgerbüro/Touristenbüro) Richtung Park.

Durch diese öffentliche Nutzung der Erdgeschosszone wird die Obertorstraße als „Langer Passage" in das neue Quartier verlängert und ideal mit den Flächen des Parks sowie denen des Kultur- und Begegnungszentrums vernetzt.

Insgesamt sind 98 Wohnungen für 310 Menschen vorgesehen. Dabei umfasst der Wohnungsmix Ein-Zimmerapartments sowie Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen, aber auch familiengerechte Vier-Zimmerwohnungen und außergewöhnliche Maisonettewohnungen in den Dachgeschossen.

Die Parkplätze werden im Wesentlichen in zwei Tiefgaragen geplant. Ergänzt wird das Parkangebot durch Parkplätze, die den öffentlichen Nutzern der Erdgeschosszone vorbehalten sind und somit einem nachhaltigen Betrieb dieser Flächen, insbesondere dem Café beziehungsweise der Bäckerei und dem Eiscafé/Bistro, zugutekommen. Neben barrierefreien Parkplätzen werden dort auch Ladestationen für Elektroautos und Stellplätze für Carsharing angeboten.

Klaus Diegelmann, Geschäftsführer der zur Werner-Gruppe gehörenden Werner Projektentwicklung GmbH, freute sich darüber, dass sein Unternehmen den Zuschlag erhalten hat: „Das ist super. Die Architekten Reith, Wehner und Storch haben ein hervorragendes Konzept entwickelt. Und die Stadt hat beim Ankauf des Geländes viel Mut bewiesen. Da gebührt dem Bürgermeister und seinen Leuten großes Lob.“

Professor Dr. Dieter Fellmann vom gleichnamigen Ingenieurbüro und Rechtsanwalt Dr. Christoph Seebo (Seufert Rechtsanwälte) begleiteten das Strukturierte Bieterverfahren. Die beiden Leipziger zeigten sich sehr zufrieden mit Verlauf und Entscheidung: „In 40 Jahren Berufserfahrung war dies eine der spannendsten Aufgaben“, erklärte Fellmann, der deutlich machte, dass Städtebau und effiziente Nutzung wichtiger waren als Kaufpreis. Seebo sprach von einem transparenten Verfahren und lobte das hochkarätige Bewerberfeld.

Thorsten Stolz (SPD), Landrat des Main-Kinzig-Kreises, zeigte sich tief beeindruckend vom Projekt und sprach von einer Riesenbereicherung für die Stadt sowie die ganze Region. Hohe Städtbauförderung, die frühzeitige Übernahme von Verantwortung seitens der Stadt, das Finden von privaten Investoren sowie die enorme Geschlossenheit in der politischen Landschaft Schlüchterns seien die wesentlichen Bausteine für den Erfolg des Projektes gewesen. Und so kurz vor Weihnachten hatte der Landrat noch ein Geschenk parat: Vom Kreis gibt es eine Millionen Euro zusätzlich aus dem Fördertopf bezahlbares Wohnen.

Rathauschef Matthias Möller hob schließlich die Teamarbeit hervor: Wir alle in der kommunalen Politik Schlüchterns und auch meine Verwaltung haben an einem Strang gezogen. Meine Vision, Schlüchterns Innenstadt selbst zu entwickeln und damit langfristig zukunftsfähig zu machen, wurde unterstützt und mitgetragen.“ Sein besonderer Dank galt seinen Mitarbeitenden, die konstruktiv, engagiert und mit viel Herzblut den gemeinsamen Weg gegangen seien. Möller: „Sie können alle genauso stolz auf das bislang Erreichte sein wie ich es bin. Am Ende unseres Weges übergeben wir das Herzstück unserer Kernstadt an einen fähigen Entwickler, der unsere Vorstellungen in Gebäude und Nutzungen umwandeln wird.“