Acisbrunnen vom 18. Jahrhundert bis heute

Aus einem Schlüchterner Ratsprotokoll vom 28. Juli 1745 ist zu entnehmen, dass man zu dieser Zeit schon auf der so genannten Acisbrunnenplatte das Gras versteigerte. Demnach war hier schon eine Waldfläche gerodet. Die von einem Graben eingefasste, schmale Lichtung hieß nun Mattjesbürn, später Pfingstplatz. Sie wurde zu einem beliebten Platz für örtliche Volksfeste. 1828 errichtete man ein Hüttchen als Obdach bei Regenwetter, hinzu kam ein biedermeierlich romantisches Inselchen mit Rundgraben und Steg sowie ein Schiessstand für das Preisschiessen der Bürgergarde und den später gegründeten Schützenverein. Auch das Lamboyfest wurde dort um diese Zeit alljährlich gefeiert. Um die Jahrhundertwende pflanzte man dem Bäckermeister J. J. Weitzel, der 1840 in Amsterdam einen Teil seines Vermögens der Stadt Schlüchtern vermacht hatte, eine Eiche. Man wanderte nun jeweils am ersten Sonntag im August mit Kind und Kegel zum Weitzelfest auf die Platte. Dort fanden alljährlich auch satzungsgemäß die Prämierungen des Viehs, der Feldfrüchte und der landwirtschaftlichen Erzeugnisse statt. Das blieb noch bis in die 60er Jahre der Neuzeit so.

Der später in Frankfurt am Main lebende Philipp Lotz aus Schlüchtern berichtete, dass es um 1850 auf der Platte schon eine Wirtschaft gegeben habe, die von Wirt und Metzger Leipold gepachtet gewesen sei. Die Platte habe schon weithin großen Ruf gehabt.

1875 war das erste Karussell auf dem Acis in Betrieb. Die Pfingstplatte und die Augustplatte waren auch gern besuchte Volksfeste der Bevölkerung aus der Umgebung. Man ging „auf die Platte“.

Am 22. März 1871, zum Geburtstag Kaiser Wilhelm I., setzte der Schützenverein eine Friedenseiche auf der Weiherinsel und im September 1871 am gleichen Ort einen pyramidenförmigen Sandsteinpfeiler als Friedensstein. Er trägt eine Eisentafel mit der Inschrift: „Zur Erinnerung an den am 2. März 1871 zu Versailles abgeschlossenen Frieden zwischen dem siegreichen Deutschland und dem in achtmonatigen Kämpfe völlig geschlagenen Frankreich. Errichtet vom Schützenverein zu Schlüchtern.“

Alljährlich wurde nun auch der Sedanstag auf dem Acis gefeiert. Zur gleichen Zeit wurden zwei neue Pavillons gebaut und Promenadenwege und Boskette (Pflanzungen besonderer Sträucher und Bäume) von Kunstgärtner Siesmeyer angelegt.

1878 hielt der Hanauer Geschichtsverein eine Tagung ab, bei der man noch einmal Leben und Werke des Dichters Lotichius würdigte, der Heimatforscher J. Rullmann sprach über die Klostergeschichte.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde, zum Beispiel von den Turnern, damit begonnen, auch Sportveranstaltungen auf dem Acis auszutragen, Der 1910 gegründete Schlüchterner Fußballclub hatte hier seinen ersten Fußballplatz. Zur Zeit der Weimarer Republik wurden Kreisjugendspiele auf dem Acis veranstaltet. Der damalige Pächter Richter konnte für das neugestaltete Gasthaus Tagungen und Vortragsveranstaltungen gewinnen. Unter anderem tagte häufig die von Rektor Flemmig und Pfarrer Scheig gegründete Arbeitsgemeinschaft der Pfarrer und Lehrer dort. 1920 hielt die SPD das so genannte Sozifest auf dem Acis ab und 1925 gestalteten die Neuwerker vom Habertshof ein großes Fest für die Kinder.

Natürlich fanden auch während des Dritten Reiches zahlreiche Großveranstaltungen auf dem Acis statt, unter anderem eine große Maifeier 1935, wiederholte Aufmärsche und Kundgebungen mit Gauleiter Sprenger und Kreisleiter Puth. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Acisbrunnen zunehmend eine neue Bedeutung als Erholungs- und Freizeitpark, insbesondere, als Ludwig Scondo 1964 Gasthaus und Gelände von der Stadt kaufte. Er baute das Gasthaus um und richtete eine Fremdenpension ein.

Der von ihm angelegte Tierpark zieht im Sommer Kinder und Erwachsene an. Der Ausbau des Acisbrunnengeländes mit dem angrenzenden Waldstück war auch mitbestimmend für die Erhebung Schlüchterns zum Luftkurort. Seit 1. April 1991 führt Stiefsohn Karl Otto Zimmermann mit seinem Sohn Martin die Gaststätte.

Der gesamte Text entstammt dem Buch von Herrn Hans Möller, erschienen zum tausendjährigen Stadtjubiläum Schlüchterns, "Geschichte und Geschichten aus Schlüchtern" - CoCon-Verlag Hanau.