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Petrus Lotichus Secundus (1528 - 1560)

Petrus Lotichius Secundus

Melanchthon und Camerarius nannten ihn den "größten Dichter" unter den zeitgenössischen Deutschlands, womit sie natürlich Lateindichter meinten. Das bedeutet viel aus ihrem Munde; im :18. Jahrhundert hätten sie die Bezeichnung Genie gebraucht.

Dieser genial begabte und früh vollendete Dichter Petrus Lotichius Secundus wurde als Sohn des Laßbauern Hans Lotz am 2. November 1528 im Klosterdorf Niederzell geboren. Sein Oheim und Pate Abt Lotichius nahm ihn als Schüler ins Kloster Schlüchtern auf (1535 bis 1537). Er lernte weiter in Hanau 1540, dann in Gelnhausen und in Frankfurt bei Mycill 1543, wo sich bereits sein natürlicher Drang zur Poesie und seine Meisterschaft in der lateinischen Sprache zeigten. Mit 16 Jahren bezog er die Universität Marburg, dann 1545 Leipzig, danach Wittenberg. Dort wurde er der Lieblingsschüler Melanchthons, der in ihm die "Zierde der Universität" sah. Er mußte mit seinem Lehrer 1546 nach Magdeburg fliehen, kämpfte im Heer des Schmalkaldischen Bundes mit, erkrankte, kehrte 1548 in die Heimat zurück. Besuchte Frankreich als Reise- und Studienmeister einiger adeliger, fränkischer Studenten, studierte bis 1553 in Montpellier (Reisen in die Pyrenäen und bis Gibraltar), bis 1555 in Padua, bis 1556 in Bologna (Doktorhut), genoß hier irrfolge einer unglücklichen Verwechslung einen Gifttrank 1557 Professor für Philosophie, Medizin und Botanik an der Universität Heidelberg. Gestorben am 7· November 1560 an der Malaria und den Folgen des italienischen Giftes. Begraben in der Peterskirche ohne Grabstein, "weil er dessen nicht bedurfte", das soll heißen, weil sein Ruhm unerschütterlich bleiben wird. Er ist es nicht geblieben, aber fest steht, daß er der bedeutendste neulateinische Dichter Deutschlands war, seine Dichtung die Vorstufe der Leistungen der deutschen Empfindungslyrik des 18. Jahrhunderts.

Den Zeitgenossen verkörperte er das Ideal des humanistischen Dichters. Tief eingedrungen in die Welt der Alten, die kunstvollen antiken Versmaße mit Eleganz beherrschend, sprach er reiches Leben darin aus von glücklichem Übermut bis zur dunkelsten Schwermut. Gottesfurcht, Naturfreude, Heimatliebe und Freundschaft beseelten ihn; Lauterkeit und Männlichkeit waren die Grundzüge seines Charakters.

Eine Probe seiner Kunst möge hier übersetzt stehn, eine in der Heimat gedichtete:

Die Acis-Quelle

AN DIE ACISQUELLE

Quelle, du Zierde des Hains,
umgrünt von üppigem Moose,
die du den Vätern schon oft
kühlende Labe gewährt,
wonnig umfängt mich bei dir
des Helikons heilige Stille,
und Begeist'rung erweckt
deine kastalische Flut.
Lieblichen Schlummer lockst du herbei
mit sanftem Gelispel,
und den Durstigen letzt nirgends
ein reinerer Trank.
Weder schmutziger Schlamm
noch trübt jemals dein Wasser, [Vieh
leuchtender noch als Kristall
glänzt es bis tief auf den Grund.
Vögel nippen vom rieselnden Naß,
und in lieblichem Chore
tönt ihr klagendes Lied
rings aus dem dichten Gezweig.
Ach, daß so jung ich die Heimat
verlassen muß. Drauß' in der Fremde
wird nach dem Hain und dem Quell
ewige Sehnsucht mich ziehn.
Doch ist es süß dereinst,
erduldeten Leids zu gedenken,
und nach der Wand'rung Müh'n
freut man sich doppelt der Ruh.
Leb denn wohl und vergiß nicht mein,
sanft murmelnde Quelle.
Scheidend wünsch ich dir noch:
"Nimmer versiege dein Lauf!"

Text und Bild 1 aus dem Buch von Wilhelm Praesent "Schlüchterner Gestalten"

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