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Johannes Lotich (1760 - 1822)

Sein Bildnis, das ihn als "Maire" von Schlüchtern zeigt, hängt an einem Ehrenplatz im Bergwinkel-Museum, sein Wohnhaus in der Brückenauer Straße Nr. 247, nach alter Zählung, steht umgebaut heute noch, er selbst aber ist dem allgemeinen Gedächtnis entschwunden, obwohl er der treusorgendeste Bürgermeister war, den unsere Stadt bisher hatte. Nach 150 Jahren - meist schon früher - erlischt die lebendige Überlieferung eines Landstädtchens.

In seiner Familie lebte noch, trotz ihres standesmäßigen Absinkens, das Bewußtsein ihrer Abstammung von der berühmtesten Sippe des Kinzigtales, den Ltichiern nämlich. Johannes Lotich kam als Enkel eines Häfners und Sohn des gleichnamigen Schuhmachers Johannes Lotich und seiner Ehefrau Anna Elisabeth, geb. Buchhold, am 4. April 1760 zur Welt. Seine Gymnasial- und Studienjahre fielen in die 70-er und 80-er Jahre; aus dem Kloster empfing er Stipendien für Bücher, für ein Klavier und zur Erlernung der Musik und später als Student zur Fortsetzung seiner Studien; danach scheint er Hauslehrer in Frankfurt gewesen zu sein ("in der Information zu Frankfurt"). 1791 heiratete er Maria Katharina Hadermann, die Tochter des Gymnasialrektors, und hatte mit ihr sieben Kinder. Seine Frau und eine Tochter starben vor ihm 1814 an "der epidemischen Krankheit". Er diente seiner Vaterstadt als Hospitalverwalter, Ratsverwandter, Stadtrat und Bürgermeister in den schlimmen napoleonischen Kriegszeiten. "Mir lagen die Pflichten des Billeteuramtes nun allein ob. Außerdem hatte ich die Mitaufsicht über das hiesige Fouragemagazin und das Fuhrwesen. Jede Anweisung ... ging durch meine Hand; ich mußte sie übersetzen, die Quantität der Fourage bestimmen und bei der Ausstellung zugegen sein. Das verursachte mir öfters mehr Unannehmlichkeiten als mein Billeteurdienst. Manchmal wurden 50 und mehr Transportwagen und Chaisen auf einmal verlangt. Ich mußte die Nummern der Häuser, die Wagen zu liefern an der Reihe waren, die Stunde der Abfahrt bestimmen. War kein Kommandant und kein Kriegskommissar auf dem Etappenplatz, welches oft der Fall war, so hatte ich die Beförderung des Kriegsdienstes ganz allein zu besorgen."

Selbst die fremden Offiziere bezeugten, dem Tag und Nacht sorgenden Lotich sei es zu danken, daß die französischen Soldaten in einem sozusagen von allem entblößten Städtchen an nichts Notwendigem Mangel hatten. Die Belastungen der Bürger und des Stadtoberhauptes stiegen mit den sich ausweitenden Feldzügen Napoleons derart, daß sich Lotich gezwungen sah, einen Notschrei an den Präfekten in Hanau zu richten: "Ein Städtchen von 260 Feuerstellen, darunter kaum noch 50 sind, so man dahin rechnen kann, wo der Herd die menschlichen Bedürfnisse noch mittelmäßig liefert, vom Jahre 1806 an bis auf den Augenblick zum Etappenplatz zu machen, ohne es im geringsten zu berücksichtigen, eine solche Einrichtung kann wahrlich länger nicht mehr bestehen. Wem kann die große Armut der hiesigen Einwohner bekannter sein als mir? Gewiß niemand anders, weil es meine Vaterstadt ist und ich seit 21 Jahren (denn solange hat hier schon der verderbliche Krieg sein Spiel ohne Vergeltung gehabt) die Armut zur Befriedigung der Soldaten habe einteilen, leiten und führen müssen . . . Soll dann ein Städtchen, dem man keine Trägheit, sondern WahreAufmerksamkeit beimessen kann, das Opfer allein für viele andere sein und allein sein bißchen Leben in Gram und Herzeleid verzollen? Ich weiß gewiß, wenn Ew. Hochwohlgeboren, unserm innigst geliebten und hochgeschätzten Herrn Präfekten, das widrige Geschick schon vorher bekannt gewesen wäre, so würden wir unsere Bürde nicht mehr so schwer tragen müssen. Dank, ewigen Dank wird der Unterdrückte seinem Erretter mit Frohsinn zuweisen und ihm eine Zähre am Grabe weihen. Diese Ernte wünscht aus reinem Herzen Ew. Hochwohlgeboren gehorsamster Diener der Maire Lotich zu Schlüchtern."

Als der Kriegsschrecken mit der Retirade im Oktober 1813 den Höhepunkt erreichte, saß Lotich ununterbrochen allein, da sein Adjunkt typhuskrank darniederlag, auf dem Rathaus, während Franzosen und Kosaken sein Haus plünderten, so daß ihm ein Schaden von 2576 Gulden entstand. Noch 1819 hatte er Besoldungsansprüche an die Stadt, deren Bestes stets sein Sinnen und Trachten gewesen war. Er starb 1822, als Schlüchtern Kreisstadt wurde; den Umbau des Rathauses erlebte er nicht mehr, für den Bestand des Dachtürmchens hatte er sich noch einsetzen können.

In Amsterdam gedachte 1829 noch ein alter Schlüchterner, Johann Joachim Weitzel, seiner: "Der Herr Bürgermeister Johannes Lotich war einer meiner besten Schulkameraden und Freunde. Dieser gute Mann hatte mir in meiner Abwesenheit eine Freundschaft bewiesen, die ich nimmer vergessen werde. Der Herr vergelte es ihm nach seiner großen Barmherzigkeit in der Ewigkeit!"

Text aus dem Buch von Wilhelm Praesent "Schlüchterner Gestalten"

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