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Johann Joachim Weitzel (1761 - 1840)

Das alte Weitzeldenkmal

Am 18. April 1761 kam er als Bäckerssohn in Schlüchtern zur Welt. Sein Vater baute auf dem Schießplatz nach der Schneidmühle zu ein Haus (Nr. 239), und dort verlebte der Knabe seine Kindheit. Die Armut seiner kleinstädtischen Umwelt prägte sich ihm tief ein. 1779, zwei Tage nach seiner Gesellenprüfung, bei der ihm die Zunftmeister das Zeugnis: "Treu, fleißig, stillfriedsam und ehrlich" ausstellten, begab er sich auf die Wanderschaft nach Holland. Er wurde seßhaft in Amsterdam, heiratete Maria de Vries und schaffte sich mit Fleiß und Umsicht empor zum wohlhabenden Mann.

61 Jahre seines Lebens hatte er in der Fremde verbracht, sein Heimatstädtchen nie wiedergesehen, und doch war dessen Wohl das Ziel seines Sinnens und Trachtens geblieben, wie aus seinem Testament hervorging. Er starb am 21 . März 1840 und wurde in der Westernkerk in Amsterdam begraben. Seine Frau folgte ihm im Jahre 1847.

Nach ihrem Tode trafen die holländischen Testamentsvollstrecker ein und überreichten dem Klosterrentmeister in Wertpapieren den Vermögensteil, den Weitzel in einem 1831 aufgestellten "Reglement", seiner Vaterstadt zugedacht hatte. In dem Vorbericht zu demselben heißt es: "Dieweil es der Vorsehung Gottes wohlgefällig gewesen ist, mir keine Leibeserben zu geben, . . . aber dessen ungeachtet von Herzen wünsche und begehre, daß diese mir unbekannten (Bürger Schlüchtern) von dem Teil der mir von Gott geschenkten Nachlassenschaft auch ihren Nutzen haben . . . so hat mir zur Erreichung dieses Zweckes der allwissende und gute Gott ins Herz gegeben und ich beschlossen, den Teil meiner Nachlassenschaft, welcher in Niederländischen Obligationen bestehet, von einer Gesellschaft von fünf dazu geschickten, ehrbaren Männern in Schlüchtern verwalten zu lassen. Ich bin versichert, daß diese braven Männer allen Fleiß und alle Sorgfalt anwenden werden, daß dadurch der Name Gottes verherrlicht und das Wohl unserer Nächsten befördert werde. Ich bitte Gott, den Vater unseres Herrn Jesu Christi, daß er diese meine Unternehmung mit seinem Segen krönen möge. Dann ist mein Herzenswunsch erfüllt. So sei es!"

Wie ein rechter Hausvater hatte Weitzel, warmherziger Menschenfreund und klaräugiger Praktikus in einem, alles bedacht, was zum materiellen, geistigen und sittlichen Gedeihen eines kleinen Landstädtchens nötig war. Viehzucht, Ackerbau - damals noch die Grundlagen des Erwerbslebens - sollten vor allen Dingen gefördert werden. Er setzte Prämien aus für Vieh und Feldfrucht, gab aber auch in Holland bewährte Ratschläge für Schaf-, Ziegen- und Bienenzucht, für Gartenpflege und Anbau von Dinkel und Zichorie. Häuser, Stuben und Ställe müsse man jährlich kalken, meinte er; das gebe gesunde Luft und verschönere das Straßenbild.

Für die Mädchen empfahl er die Einrichtung einer Nähschule, für junge Schreiner, Schlosser und Zimmerleute Zeichenunterricht, und für die allgemeine Verbesserung der Erziehung und des Unterrichts in Schule, Haus und Christenlehre machte er beachtenswerte, seiner Zeit vorauseilende Vorschläge. Die Hebung des Kirchengesanges war ihm ein Herzensanliegen, und eindringlich lenkte er den Blick auf die bessere Betreuung der Armen, Kranken und Alten und die Bekämpfung der Trunksucht. Witwen und Waisen und das Spital wurden mit Zuwendungen bedacht.

Weitzel vergaß kein Gebiet des Lebens, auf dem er seinen ehemaligen Mitbürgern Hilfe bringen oder eine Freude machen konnte. Wohlüberlegt nicht immer in Gestalt eines Geldpreises. Wie bunt und freundlich waren seine "Ehrengaben": Sträuße für Täufling und Braut, silberne Nadelbüchschen, Fingerhüte und Ketten für die Mädchen, Mäntel für die Kirchensänger, echt goldene "Ehrenpfennige" für den erfolgreichsten Landwirt, Schuhe für die Armen, Federn und Schreibpapier für die Lehrer, Bier für die Schützen, eine Summe, daß sich damit die Verwalter der Stiftung, die Lehrer und der Bürger, der dreimal den höchsten Preis erhalten, und die Bäckerzunft "einen fröhlichen Tag machen". Für die Schuljugend aber bestimmte er zum Osterexamen Brezeln!

Die Brezeln sind es, die heute noch an den einzigartigen Wohltäter der Stadt erinnern, wenn sie auf dem Acis beim "Weitzelfest" am ersten Sonntag im August an die Jugend verteilt werden. Hin und wieder mag auch einmal beim Anblick des Denkmals (1897) im Garten hinterm Schlößchen des edlen Mannes gedacht werden oder beim Besuch der "Weitzel- Bibliothek", die 1857 aus der von ihm bestimmten Lesegesellschaft hervorgegangen ist. Das Stiftungskapital aber, das am Anfang 22.260 Mark betragen hatte, 1881 durch Mißverstand einer Regierungsverfügung 10.000 Mark verlor, 1916 auf 70.122,56 Mark angewachsen war, wurde in unserem Jahrhundert Opfer zweimaliger Geldentwertung, und der Segen, den es in so vielfältiger Weise einst den Bürgern Schlüchterns gebracht hat, ist auf immer dahin.

Text aus dem Buch von Wilhelm Praesent "Schlüchterner Gestalten"

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