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Johann Heinrich Hadermann (1710 - 1785)

Die bemerkenswerteste Gestalt im Leben der Stadt im 18. Jahrhundert war Rektor Johann Heinrich Hadermann. Geboren am 25. Juni 1710 als Sohn des Weißgerbers Johann Adam Hadermann; schulausgebildet im heimischen Gymnasium. Im Jubiläumsjahr 1727 bezog er die Universität Marburg zu vierjährigem Studium, das sich in der Hauptsache auf Philosophie, Mathematik und Physik erstreckte. Seine Lehrer waren Kirchmeier und "der Schrittmacher der Aufklärung" Chr. Wolff. 1731 heimgerufen, verdiente er sich seinen Unterhalt ein Jahr lang als Privatlehrer. Sein Drang nach weiterer wissenschaftlicher Ausbildung bewog ihn zu einem siebenjährigen Studium der klassischen Sprachen bei dem berühmten Professor Peter Burmann d. Älteren an der damals blühenden niederländischen Universität Leyden. 1740 übertrug man ihm das Rektorat am Gymnasium der Vaterstadt.

Der weltläufige Mann, der am besten ausgebildete aller Lehrer, mußte in den engen Verhältnissen einer Kleinstadt im Laufe der Zeit, besonders wegen seiner freien religiösen Anschauungen, anecken. Die bezeichnendste Charakterisierung seiner neuzeitlich anmutenden Lehrerpersönlichkeit enthält darum eine - Beschwerdeschrift gegen ihn:

"Führet der Rektor Hadermann eine sehr verderbliche Schulzucht und das besonders bei denen Schülern der ersten Klasse, indem er dieselben als große Herren tractiret und ihnen allen Mutwillen ungestraft hingehen läßt, sodaß wenn auch die Prediger darüber klagen, dadurch nicht nur nichts ausgerichtet, sondern gedachter Rektor noch dazu in einen großen Affekt gebracht wird, weil derselbe nicht leiden kann, daß jemand etwas gegen seine Schüler sagt. Am allerschlimmsten aber ist, daß er die Schulstunden mit unschicklichen Reden und Erzählungen zubringt, da er seinen Schülern erzählt, was er für Reisen getan, welchen Weg er genommen, was ihm auf der Reise begegnet, welche Gesellschaften von beiderlei Geschlecht er frequentiert (besucht), wie prächtig das Land sei, was in compagnien (Gesellschaften) vorgesetzt werde (an Speisen), wie die Kuhställe gebaut sind, was die Kühe zu fressen bekommen, wie dieselben sauber gehalten werden und dergleichen mehr. Die hieraus entstehende Familiarität wird dadurch noch vermehrt, daß derselbe seinen Schülern erlaubt, in seiner Gegenwart Tabak zu rauchen und auf den Straßen mit langen Tabakpfeifen herumzugehen, auch daß er die Schüler Messieurs (meine Herren) nennet."

Als rechter Schulleiter trat er besonders für seine Kollegen ein:

"Ein Schulmann ist eine Person ohne Autorität. Er kann niemand Leid oder Schaden tun. Er will es auch nicht tun. Darum ist er ein kleines Lichtlein in den Augen vieler Leute, und ein Kirchenältester will selbst ein Vorsteher der Schule sein und das Recht haben, bei aller Gelegenheit die Praeceptores des Gymnasii zu tadeln. So weit sind die Studia elegantiora gekommen!"

Und auf den Vorwurf der äußeren Mißstände entgegnete er scharf: "Stände es bei uns, so sollte diesem Mißstand schon lange abgeholfen sein, unsere Wände im Closter und Schulen sollten ein ander Ansehen haben, und die Fenster, die vor fünfzig Jahren die nämlichen waren und ebenso aussahen wie jetzt, wären längstens einmal neu geworden."

Hadermann hat als erster die Grabsteine der Klosterkirche inventarisiert. Seine heimatgeschichtlichen Sammelaufzeichnungen, Teile seiner Chronik des Siebenjährigen Krieges und Reste der von ihm gegründeten Schulbibliothek werden im Bergwinkelmuseum, sein Schulalbum in Marburg aufbewahrt. 1763 verabschiedete er seine Primaner mit einer lateinischen Rede auf den Frieden, die mit einigen seiner und seines jüngsten Sohnes Lateingedichte 1789 in Hanau im Druck erschienen. Er ist der Stammvater einer weitverbreiteten, angesehenen Sippe von Lehrern, Pfarrern, Gelehrten und Schriftstellern geworden. Von seinen Söhnen war Josias Rektor in Büdingen, Konrad Georg Konrektor in Hanau, Christian Rektor in Düsseldorf, Leonhard Lehrer in Hanau.

Er starb am 8. Februar 1785 in Schlüchtern "de Gymnasio, republica, suisque optime meritus" (um das Gymnasium, den Staat und die Seinen wohlverdient). Wie stark er mit der Heimat verbunden war, zeigen die Verse, die 1771 anläßlich einer von ihm bewirkten Instandsetzung des Acisbrunnens aus seiner Feder flossen:

"Diesem Brunnen, den einst des Lotichius Lieder verherrlicht, kehrte nun Name und Zier, wie es gewesen, zurück. Mögen die Dichter nun kommen und so, wie Secundus es pflegte, reichlich genießen vom Naß, welches die Musen erquickt."

Text aus dem Buch von Wilhelm Praesent "Schlüchterner Gestalten"

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