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Dr. Ernst Clement (1889 - 1962)

Dr. Ernst Clement
Dr. Ernst Clement und Frau Dr. Bauer

(Ansprache bei der Trauerfeier für Dr. E. Clement im Kreiskrankenhaus durch Dr. Ulrich Ströder.)

Wir haben uns heute hier versammelt, um unseres Chefs Dr. Clement zu gedenken, der fast 43 Jahre hier gewirkt hat, und um Abschied von ihm zu nehmen. Mitten aus dem vollsten Schaffen heraus, ohne Zeichen einer Leistungsminderung, ohne Beschwerden, wie sie sich im Alter so häufig einstellen, wurde er aus dem Leben gerissen, nachdem er kurz zuvor noch eine abnorme Geburt glücklich zu Ende gebracht hatte. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel überraschte ihn der Tod, als er vor der weiteren Arbeit froh noch einmal nach seinem Neubau schauen wollte.

Wenn wir das Leben unseres Dr. Clement verstehen wollen, müssen wir einen kurzen Blick auf seinen Werdegang tun. Als Sohn eines Juristen, der zunächst als Staatsanwalt, dann als Richter und später als Leiter der Strafanstalt in Butzbach tätig war, wuchs er in einem typischen Beamtenhaushalt auf, wo ihm Pflichterfüllung und Bescheidenheit anerzogen wurden. Als er später in Gießen und vorübergehend in München studierte, ging er mit Begeisterung, Konsequenz und Zielstrebigkeit ganz in seinem Studium und in seinen Interessen für die Naturwissenschaft und die Medizin auf. Schon in seinen klinischen Semestern arbeitete er als Assistent am anatomischen Institut und erwarb sich dabei gediegene Grundlagen. Später fand er in dem Physiologen Garten einen Lehrer, der ihn bei der Lösung von Problemen durch seinen unermüdlichen persönlichen Einsatz bei Tag und Nacht mitriß und in unserem Dr. Clement auch den fand, der sich begeistern ließ und in der gleichen Weise in seiner Arbeit aufging. Das Ergebnis dieser fruchtbaren, gemeinsamen Arbeit von Clement und Garten finden wir noch heute in unserem neuesten Hand- und Lehrbuch der Elektrokardiographie von Holzmann zitiert.

Aus dieser Zeit stammt auch das Interesse für Optik und Elektrizitätslehre, für Technik und Basteln. Immer wieder überraschte und beschämte er uns mit seinen Kenntnissen. Es folgten die Jahre der klinischen Ausbildung bei dem bekannten Chirurgen Poppert in Gießen, wo er sich mit der gleichen Intensität wie vorher in der Physiologie die Grundlagen seiner chirurgischen Ausbildung erarbeitete. Schon damals fiel seine kräftige, gesunde Konstitution auf, die es ihm erlaubte, stundenlang ohne Beschwerden am Operationstisch zu stehen. Ermüdungserscheinungen an langen Operationstagen waren ihm völlig unbekannt.

Während des 1. Weltkrieges war er als Truppenarzt auf Verbandsplätzen und im Feldlazarett tätig und kehrte später wieder zur Gießener Klinik zurück.

Am 1.11.1919 übernahm Dr. Clement als neuer Chef und Nachfolger des San. Rat Dr. Stern das Kreiskrankenhaus Schlüchtern. Mit dem ihm eigenen verschmitzten Lächeln und Schmunzeln erzählte er in Erinnerung an seine Ankunft am Bahnhof, wie Herr Lübbert, der ihn abholen sollte, den bescheiden gekleideten neuen Chef mit Rucksack nicht erkannt und im Krankenhaus gemeldet habe, der Chef sei nicht gekommen. Mit gewohnter Energie und Arbeitsfreude nahm er seine neue Tätigkeit auf und machte durch seine Erfolge auf dem Gebiete der mittleren und großen Chirurgie, der Unfallheilkunde und auf dem geburtshilflich-gynäkologischen Sektor unser Kreiskrankenhaus bald zu einem Zentrum unseres hiesigen Gebietes. Damals schon erwarb er sich noch eine besondere Fertigkeit in der Operation vergrößerter Schilddrüsen. Eine der ersten Patienten auf diesem Gebiet waren Sie, Frau Clement, mit einem schweren Basedow. In den letzten Jahren sind ständig im Jahre etwa 300 Strumaoperationen an zum Teil weithergereisten Patienten durchgeführt worden, eine Arbeit, die neben der reichlichen anderen noch mit bewältigt werden mußte, und eine Operationszahl, die wohl kaum eine andere Klinik aufweisen kann. Seine Tochter, Frau Dr. Bauer, hat seine Technik übernommen und dann zahlreiche Schilddrüsen-Operationen selbständig ausgeführt.

Weiter entwickelte Dr. Clement eine besondere Methode der plastischen Operation zur Beseitigung gehäuft auftretender Schultergelenksluxationen, ferner wandte er eine Operation an, die mich bei meinem Herkommen verblüffte: Die Behandlung des durchgebrochenen Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüres mittels Drainage. Die Erfolge sprechen für sich. Es tut mir leid, daß Dr. Clement nicht mehr die Zeit gefunden hat, diese Dinge zusammenzustellen und mit anderen Methoden zu vergleichen.

Nach den bisherigen Worten mögen Sie glauben, daß Kenntnisse, Beherrschung der Technik und exakte Diagnostik allein im Vordergrund gestanden haben. Aber Sie alle wissen, daß Dr. Clement nicht nur Mediziner und Naturwissenschaftler war, sondern in einem ungewöhnlichen Maße Arzt und Mensch. Sein Leben erinnert an ein Wort von Paracelsus: "Im Herzen wächst der Arzt, aus Gott geht er, des natürlichen Lichtes ist er, der höchste Grund der Arznei ist die Liebe." Mit unseren Worten heißt dies: "Das Herz ist der Grund, aus dem die Einstellung zum Arzttum erwächst, von Gott hat er seine Gaben, dem natürlichen Lichte seines Verstandes und der Kenntnis der Nafurgesetze ist sein Tun unterworfen, und der höchste Grund der Arznei - nämlich die von ihm ausgehende Heilwirkung auf den Kranken - ist die Liebe." Und diese Liebe hat ihn beseelt, die Liebe zum Mitmenschen und zur Arbeit. Sie gab ihm immer wieder die Kraft, die fast unfaßlichen Leistungen zu vollbringen.

Als ich noch nicht lange hier in Schlüchtern war, erzählte mir Dr. Clement, daß er immer wieder versucht habe, sich mehr seiner Familie zu widmen und auch anderen Interessen nachzugehen. Aber stets sei durch unvorhergesehene Ereignisse alles Planen umgeworfen worden. Um diesem innerlich belastenden Zustand aus dem Wege zu gehen, habe er in zunehmendem Maße seine persönlichen Wünsche zurückgestellt und verzichtet, um ohne innere Spannung die an ihn herantretenden Aufgaben bewältigen zu können. Diese persönliche Anspruchslosigkeit, nicht nur in den kleinen Dingen des Alltags, sondern auch im Gestalten des privaten Lebens, war neben der urwüchsigen Konstitution eine der Voraussetzungen für die von uns immer wieder bewunderten Leistungen. Ich brauche keinem von Ihnen zu sagen, welches Opfer Sie, Frau Clement, und ihre Familie durch Ihren ständigen Verzicht für die Arbeit Ihres Gatten zur. Genesung seiner Kranken gebracht haben.

Während des 2. Weltkrieges versah Dr. Clement als Hauptchirurg neben dem zum Lazarett umgewandelten Schlüchterner Krankenhaus auch die Lazarette in Bad Soden, Steinau und Bad Orb. Unermüdlich setzte er sich für die ihm anvertrauten Verwundeten ein und half durch seine großen Kenntnisse in der Kriegs- und Wiederherstellungschirurgie viel Leid lindern.

Schwere Schicksalsschläge sind ihm und seiner Familie nicht erspart geblieben. Aber keine Verbitterung, kein Abschließen von der Welt, kein ständiges Hadern mit dem Schicksal waren die Folge. Als warmherziger, sofort Vertrauen erweckender, verständnisvoller Arzt hatte er weiter für jeden Kranken Zeit, ging er auf jede persönliche Not ein. Keine Mühe war ihm zu viel, wenn er irgendwie helfen konnte. In den letzten Jahren nahmen die beruflichen Belastungen ständig zu. Der von ihm schon seit der Jugend getriebene Sport und das spätere Basteln an seinem Auto, die als Entspannung dienten, mußten aufgegeben werden. Übrig blieben nur kurze Spaziergänge in die von ihm geliebte Natur. In den beiden letzten Jahren begann er - leider spät, allzu spät - den Bau seines Hauses, das er schon Jahre vorher entworfen hatte. Jeder freute sich mit ihm, wie er mit innerer Begeisterung am Wachsen seines Baues teilnahm. Wie hätten wir uns gefreut, wenn er noch einige ruhigere, glückliche Jahre dort mit seiner Familie hätte leben können. Aber der plötzliche Tod aus vollstem Wirken hat bei einem solch ungewöhnlichen und tätigen Manne auch etwas Tröstliches. Das doch einmal herantretende Ausscheiden aus seinem Wirkungskreis, ein Altern und vielleicht auch ein Dahinsiechen sind diesem urwüchsigen Manne erspart geblieben. Wenn unser Herr Dr. Clement auch nicht mehr unter uns weilt, so wirken seine ruhige, nie auf Effekt bedachte, schlichte Art, seine Lauterkeit, seine hohe Menschlichkeit gepaart mit großem Wissen, regem Interesse und Energie und sein Pflichtbewußtsein in allen, die ihn gekannt haben, weiter. Wir danken dem Schicksal, daß wir mit einem solchen Manne zusammen arbeiten durften.

Text und Fotos aus dem Buch von Wilhelm Praesent "Schlüchterner Gestalten"

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