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Abt Petrus Lotichius (1501 - 1567)

Abt Petrus Lotichius
Papiersiegel und Unterschrift

Der berühmteste Schlüchterner, Abt Petrus Lotichius, wurde im November 1501 in Niederzell als Sohn des Klosterbauern Hen Lotz geboren. Als fahrender Schüler kam er bis Leipzig und besuchte dort die "gemeine Schul" bis 1516. 1517 trat er ins Kloster Schlüchtern ein, ein demütiger Mönch in einer dem Mönchswesen schon abholden Zeit - im Juli Huttens Dichterkrönung, im Oktober Luthers Thesenanschlag.

Die weiteren Stationen seines Lebens: 1523 Priesterweihe; 1525 Flucht vor aufständischen Bauern ins Hanauer Unterland mit Abt, Prior und dem übrigen Konvent; zum Stadtpfarrer in Schlüchtern bestellt; 1534 zum Abt gewählt. Als solcher bemühte er sich besonders um Klosternachwuchs und im Zusammenhang damit um die Gründung einer Schule. Humanistische und Kirchenreformfragen erfaßten ihn, von Fulda und Hanau her, tiefgründig. Durch den Gastlehrer Beuther wurde seine Bekanntschaft mit Melanchthon fester geknüpft – fürs ganze Leben. 1543 wagte er die zwei für das obere Kinzigtal zukunftentscheidenden Schritte: Er reichte, zuerst seinem Konvent am 13. Mai, das Abendmahl unter beiderlei Gestalt und errichtete, von Melanchthon beraten, das Gymnasium Schlüchtern in den Räumen des Klosters, das dank der Melanchthonschen Weisungen schon von 1549 an eine erste Blütezeit erlebte und als eine der besten gelehrten Schulen in Mitteldeutschland galt.

Seinem Bischof hatte er ungerügt die gottesdienstlichen Veränderungen mitgeteilt, in einer gedruckten Reformationsschrift sein Tun begründet im Bewußtsein, keine "Sturm- und Narrenwerke", sondern verdienstliche Verbesserungen unternommen zu haben. Als er aber Notordinationen vollzog, sprach der Bischof die Exkommunikation über ihn aus. Die blieb ohne rechte Wirkung für sein Leben: Edelleute baten ihn weiterhin um taugliche Priester, sandten ihm Schüler, Melanchthon besuchte ihn, der Fürstabt von Fulda lud ihn zu Gast, der sächsische Kurfürst kehrte bei ihm ein, die Universität Marburg nahm ihn mit seinen Schülern ehrenvoll auf; er ließ eine Glocke mit dem Melanchthon-Wappen gießen und sich eine neue Abtswohnung herrichten. Im November 1548 wurde der Bann von ihm genommen. 1563 wählte er zu seiner Entlastung seinen Neffen Christian zum Koadjutor und trat 1565 in den Ruhestand. Zwei Jahre danach starb er am 23. Juni in Hanau und wurde am 25. Juni in der Klosterkirche Schlüchtern beigesetzt.

Sein von seinem Nachfolger gesetzter Grabstein, von Würzburger Händen verstümmelt, nach langer Zerstreuung der Bruchstücke wieder zusammengefügt, steht heute in der Katharinenkapelle. Er zeigt den Abt stehend im Gelehrtengewand, die Hände das Neue Testament umfassend, die Amtsabzeichen der geistlichen Würde nach unten zur Seite gerückt. Die Vorderseite des Sockels trägt in lateinischer Sprache die Inschrift: Dieser Stein zeigt das Bild des berühmten Lotichius, der zuerst die reine Lehre in dieser Kirche einführte. Fromm hat er beschlossen sein am Ziele angelangtes Leben.

Alle Lobreden auf ihn zu Lebzeiten und nach seinem Tode rühmen ihn als Mann der Kirche und der Schule. Melanchthon hinterließ ihm bei seinem letzten Besuche 1557 ein langes Lateingedicht, in dessen letzter Strophe er klassisch zusammenfaßt:

Einzig Lotichius ehrt Altar und Katheder,
pflegt den Gottesdienst und die gelehrten Studien,
seit die falschen Götzen daraus entfernt sind
und die Finsternis der Sophisten auszog.
Wollest, Christe, diesen Lotichius schützen,
Logos du und Sohn des ewigen Vaters.

Nicht der junge Hutten, Petrus Lotichius, der väterliche, ist die kennzeichnende Hauptgestalt des Bergwinkels; schlicht und redlich, ein treuer Haushalter, ein Volks- und Schulfreund, dem "nichts lieber war, als in seinen Wänden bei seinen nächsten Blutsverwandten daheim zu sitzen", im Grund ein konservativer Bauer, alles andere als ein Rebell, Ketzer oder ungehorsamer Neuerer, der nicht umstürzen, vielmehr erhalten und behutsam bessern wollte. Er hat darum eine unvergleichbare Reformation zuwege gebracht: eine lautere Wiedergestaltung ohne politische oder ökonomische Nebenabsichten. Deswegen erfüllte ihn nicht Stolz, sondern stille Genugtuung, als er an seinem Lebensabend zurückblickte auf sein Werk: eine Stätte der reinen Lehre, eine blühende Schule, dankbare, hoffnungserweckende Schüler, eine stattliche Bibliothek, ein wohlverwaltetes Klostervermögen, er selbst geachtet vom Landesherrn und gewürdigt der Freundschaft angesehener und gelehrter Männer. Dankbar gedenkt er des Segens über seinem Leben und schließt seinen "letzten Willen" mit der Bitte, "daß solche meine Arbeit nicht verwirkt, sondern durch meine Nachkommen gebessert und erhalten würde".

Text und Bilder aus dem Buch von Wilhelm Praesent "Schlüchterner Gestalten"

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