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Schlüchtern 1945/1946: Sechs Bürgermeister in einem Jahr

Kein einmaliges Ereignis, aber von großem Seltenheitswert

von Ernst Müller-Marschhausen

Sechs Bürgermeister in knapp einem Jahr. Das war im besiegten Deutschland im Chaos zwischen Kriegsende und politischem Neubeginn in unseren Städten und Dörfern vermutlich kein singuläres Ereignis, aber es war gewiss von großem Seltenheitswert. Ein halbes Dutzend Bürgermeister gab es in der damaligen Kreisstadt Schlüchtern in der Zeit vom April 1945 bis zum Jahresende. Wie kam es zu diesem Rekord?

Ein Lehrling öffnet den US-Soldaten den städtischen Tresor

Am 2. April 1945, am Ostermontag gegen 12:00 Uhr, besetzte die amerikanische Kampfeinheit "Hell on Wheels" ("Hölle auf Rädern") unsere Stadt. Sie gehörten zur 106th Cavalry Group, die Teil der 7. US Armee war. Sie kam aus Richtung Breitenbach, von der Röthe herunter. Am Vorabend lag unsere Stadt – sie war vom Stadtkommandanten, Kapitän zur See Klaus Friedrich Deussen, zur "Festung" erklärt worden – unter heftigem Beschuss, bei dem Deußen und vier Landser und mehrere Zivilisten den Tod gefunden haben und ein Dutzend Gebäude zerstört oder beschädigt wurden. Gerade einmarschiert, durchsuchten die GI’s (GI = Government Issue, umgangssprachlich Namen für Soldaten) Wohnhäuser und öffentliche Gebäude nach deutschen Soldaten, zu aller erst das Rathaus. Dort fanden sie aber weder dessen Chef noch verantwortliche städtische Beamte und Angestellte vor. Dem damals fünfzehnjährigen Verwaltungslehrling Rudolf Kunde gaben die GI’s Order, den städtischen Tresor zu öffnen und in den folgenden Tagen Gewehre, Revolver, Radios, Ferngläser und Photoapparate mit zu bewachen – alles Gegenstände, die die Schlüchterner im Rathaus abzuliefern hatten. Es war Krieg. Die US-Soldaten durften nichts riskieren.

Oberste Instanz in der Stadt: Ein US-Offizier

Die 106th Cavalry Group hat unsere Stadt am Ostermontag eingenommen. Aber noch ging der Krieg weiter, denn erst gut einen Monat später, am 7./8. Mai, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation, schwiegen die Waffen in Deutschland und Europa. Die Niederlage war vollständig. Das Deutsche Reich hatte aufgehört zu existieren. Die Hoheitsrechte über die Verwaltungen und Behörden in Ländern Städten und Gemeinden gingen ab sofort, ausnahmslos und absolut an die Besatzungsmächte über. Oberste Instanz in jeder Stadt, in jedem Dorf war der vom Oberbefehlshaber der jeweiligen Siegermacht eingesetzte Offizier. Oberbefehlshaber und Militärgouverneur in dem von den Amerikanern eroberten Teil Deutschlands war General Dwight D. Eisenhower (1890-1969). Ihm unterstanden die amerikanischen Stadtkommandanten in unserer Stadt, die Bürgermeister einsetzten und absetzten und die ständig wechselten.

Die Eroberer brauchten einen Bürgermeister

Schlüchterns nationalsozialistischer Bürgermeister Johannes Puth hatte fünf Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner seinen Posten verlassen und sich mit einigen anderen sogenannten Amtsträgern der Stadt nach Thüringen abgesetzt. Sie nahmen an, dass die Wehrmacht dort eine neue Verteidigungslinie aufbauen würde. Doch wie ging es weiter: Die Besatzungsmacht brauchte sofort nach dem Einmarsch in eine Stadt oder ein Dorf deutsche Bürger, die sich um die lebensnotwendigsten Dinge kümmerten. Nicht im Interesse der Einwohner. Das ganz gewiss nicht, denn niemand hatte Mitleid mit den besiegten Deutschen. Die Amerikaner verstanden sich als "Eroberer", wie es in einer der ersten Direktiven der US-Militärregierung (JCS 1067) hieß. Sie besetzten Deutschland nicht zum Zweck seiner Befreiung, sondern als einen "besiegten Feindstaat", und der Befehl lautete, die Deutschen "hart" zu behandeln und "jede Fraternisierung streng zu unterbinden". Trotz des Befehls von ganz oben sind viele GI’s "relativ rücksichtsvoll" mit den Schlüchternern umgegangen, erinnert sich der Zeitzeuge Kurt Fischer. Gleichwohl, Bürgermeister brauchte die Besatzungs-Armee zuerst einmal im Interesse ihrer Soldaten. Soweit es für ihre militärischen Zwecke und die Sicherheit der GI’s erforderlich war, mussten die öffentliche Ordnung stabilisiert und die zerstörte Infrastruktur notdürftig instand gesetzt werden: Kanalisation und Wasserversorgung waren funktionsfähig zu halten, Behelfsbrücken zu bauen, Wohnungen zu beschlagnahmen, die besten für die Besatzungssoldaten, im Übrigen für Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgebombte, und vor allem war für Ruhe und Sicherheit zu sorgen und die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen zu verhindern. Und schließlich galt es, Nazis und Kriegsverbrecher aufzuspüren. Für all das brauchte man Bürgermeister. Sie hatten Hilfsdienste auszuführen, nach den Direktiven der Besatzungsmacht Befehle auszuführen, und zwar ohne Rückfrage, ohne Widerspruch, sofort und bedingungslos.

"Come on - Du Bürgermeister"

Nach welchen Gesichtspunkten die US-Soldaten Schlüchterner Männern befahlen, als Bürgermeister tätig zu werden, wird sich für unsere Stadt wohl nicht mehr ganz klären lassen. Wir können aber begründete Vermutungen darüber anstellen, nach welchem System die Amerikaner bei der Bestellung der Bürgermeister auch in unserer Stadt vorgingen und an welchen Vorgaben sie sich orientierten, wenn sie einem Mann lapidar den Befehl gaben “Du Bürgermeister” und ihn ins Rathaus beorderten.

Möglichkeit 1: Die US-Armee hatte "Weißen Listen" mit den Namen “unbelasteter” Bürger mitgebracht. Das waren in der Stadt bekannte Hitlergegner und demokratisch eingestellte Personen. Die "Weißen Listen" hatte der US-Geheimdienst lange vor dem Einmarsch zusammengestellt. Wir können annehmen, dass auch jüdische Bürger unserer Stadt, die sich in den ersten Jahren nach der national-sozialistischen Machtergreifung ins westliche Ausland retten konnten, den Geheimdienst über die politische Einstellung der Bürger in ihrer Heimatstadt umfassend informiert hatten.

Möglichkeit 2: Die Amerikaner nahmen an, dass die Kirche gegen den Nationalsozialismus weitgehend immun gewesen sei. Sie sahen in ihr die einzige politisch integre Instanz in ihrem Machtbereich. Oft kontaktierten sie deshalb unmittelbar nach der Einnahme einer Stadt oder eines Dorfes die Geistlichen und ließen sich von ihnen Namen politisch "unbelasteter" und als Bürgermeister geeigneter Personen nennen. Möglicherweise sind die GI’s so auch in unserer Stadt vorgegangen und haben sich von Priester Joseph Becker von der katholischen Pfarrgemeinde und vom evangelischen Pfarrer Johann Simon Elbrechtz Namen unbescholtener Bürger geben lassen.

Möglichkeit 3: Die US-Kampfgruppen griffen sich in einer gerade eingenommenen Stadt den Erstbesten, dem sie begegneten, und von dem sie so den Eindruck hatten, dass er vertrauenswürdig und durchsetzfähig sei, Respekt genieße und sich auskennen würde.

Keiner machte es freiwillig

Die Möglichkeit, dass sich jemand freiwillig als Bürgermeister angeboten hat, scheidet mit großer Wahrscheinlichkeit aus. Es wäre auch tollkühn gewesen, bis zum Waffenstillstand aus freien Stücken mit der Besatzungsmacht zusammenzuarbeiten. Viele Deutsche hofften auch im April noch immer auf die von Hitler und Goebbels versprochenen kriegsentscheidenden Vergeltungswaffen (V 2) und auf eine Kriegswende, und "Kollaborateure" mussten fürchten, von ihren Landsleuten, fanatischen Nazis, oder auch von der - allerdings nur in Goebbels’ Propaganda existierenden – Freischärlerbewegung "Werwolf" umgebracht zu werden. Dieses Schicksal ereilte zum Beispiel am 25. März 1945 den Oberbürgermeister von Aachen, Franz Oppenhoff. Wer sich in jenen Wochen in einer Stadt oder einem Dorf freiwillig den Amerikanern angedient hätte, wäre aber zumindest gesellschaftlich diskriminiert worden und ins Abseits geraten. Nein, Bürgermeister von Schlüchtern wurde in jenen Monaten nur der, den die Amerikaner ohne auch nur den Ansatz einer Rückfrage oder Stellungnahme zuzulassen, dazu bestimmten, mit dem Befehl "Du Bürgermeister"!

Die sechs Bürgermeister – März 1945 bis Dezember 1945

Johannes Puth
  1. Puth, Johannes, geboren am 19. Februar 1900 in Wachenbuchen, Kreis Hanau. Der Landwirt wurde in 1923 Nationalsozialist, Kreisleiter der NSDAP für Stadt und Landkreis Hanau, 1932 Reichstagsabgeordneter, ab 1933 Kreisleiter im Landkreis Schlüchtern und vom selben Jahr an Bürgermeister unserer Stadt. Seine beiden Amtssitze waren das damals so genannte "Braune Haus" oder "Parteihaus", heute Polizeidienststelle in der Lotichiusstraße, und das Rathaus. Seine Wohnung hatte er in der Schlossgasse 15 (Lauter’sches Schlösschen). Am 28. März 1945, fünf Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner, setzte er sich nach Thüringen ab. Die Karteikarte des Einwohnermeldeamts verzeichnet lapidar "Wegzug". Gauleiter Jakob Sprenger ließ ihn sofort zurückholen und drohte, ihn "an die Wand zu stellen". Mitte des Jahres verhafteten ihn die Amerikaner, hielten ihn einige Tage in der Arrestzelle im Rathauskeller fest, überführten ihn in ein Internierungslager und verurteilten ihn dann zu einer mehrjährigen Lagerhaft. Seinen Lebensabend verbrachte er in seinem Geburtsort Wachenbuchen und dort starb er am 9. Januar 1957.
Friedrich Rüffer
  1. Rüffer, Friedrich, geboren am 2. August 1870 in Schlüchtern, Metzgermeister und Wirt der Gastwirtschaft "Zum Schwan", heute "Altstadtstübchen", Unter den Linden 8, als geselliger "Schwanefried" vielen alten Schlüchternern noch in guter Erinnerung, zählte schon an die 75 Jahre, als ihn die Amerikaner unmittelbar nach dem Einmarsch in unsere Stadt zum Bürgermeister machten (2. April). Warum gerade ihn? Vielleicht stand sein Name auf der "Weißen Liste"? Vielleicht hatte ein Pfarrer seinen Namen genannt? Vielleicht war er auch nur der erste vertrauenserweckende Schlüchterner, der ihnen über den Weg lief. Und da ein alter Gastwirt über Menschenkenntnis verfügt und sich aufs Beste im Städtchen auskennt, mögen die Amerikaner gedacht haben, wird er wohl auch für ihre Zwecke der Richtige sei. Friedrich Rüffer schien in seiner Funktion als Bürgermeister jedenfalls totunglücklich gewesen zu sein, und er traute es sich einfach nicht zu, den Anforderungen auf dem Bürgermeisterstuhl gerecht zu werden. Als der städtische Beamte und Soldat Georg Kempf Mitte 1945 aus der Gefangenschaft zurückkehrte und seine Arbeit im Rathaus wieder aufnahm, sagte ihm der erfahrene büroleitende Beamte Adam Walter, dass ihn Bürgermeister Friedrich Rüffer in seiner Not gebeten habe: "Mach’ du die Arbeit, ich kann das nicht, ich geb’ dir auch ein paar Eier dafür!" Friedrich Rüffer, Schlüchterns erster Bürgermeister nach der Besetzung, übte sein Amt nur zwei Tage aus. Er wird heilfroh gewesen sein, als ihn die Amerikaner aus dem Rathaus hinauswarfen. Er starb am 30. Januar 1949 in seiner Heimatstadt.
Willi Rollmann
  1. Rollmann, Willi, geboren am 25. Mai 1878 in Schlüchtern, ernannten die Amerikaner als nächsten zum Bürgermeister. Sein Amt trat er am 5. April an. Nach sieben Tagen setzte ihn der Stadtkommandant wieder vor die Tür. Was mag den US-Stadtkommandanten bewogen haben, gerade ihn zu beauftragen? War er den Amerikanern als politisch unbelastet, unbescholten und besonders hilfswillig avisiert worden? Sein Brotberuf, er war Dentist und hatte seine Praxis in der Gartenstraße 3, wird gewiss nicht den Ausschlag gegeben haben für die Entscheidung der Amerikaner. Vielleicht aber seine menschlich gewinnende Art und sein Ansehen, das er im gesellschaftlichen Leben der Stadt und in Ehrenämtern - unter anderem im VHC, im Schützenverein und als Vorsitzender des Kreisjagdvereins - hat gewinnen können. Willi Rollmann starb hochbetagt am 8. September 1969 in Schlüchtern.
Otto Fischer
  1. Fischer, Otto, geboren am 30. März 1894 in Arnswalde, in der Neumark (heute polnisch), war Verwaltungsbeamter und im Krieg bis 1944 als Büroleiter an ein Katasteramt in Warthenau bei Kattowitz abgeordnet, danach arbeitete er wieder im Katasteramt in Schlüchtern. Er lebte mit seiner Familie in einer Etage im Haus Schlosstraße 18. Sein Sohn, Kurt Fischer, erinnert sich gut an jenen 12. April 1945, als er mit seinem Vater das gepachtete Gärtchen im "Augarten" - auf dem Gelände des heutigen Untertor-Parkplatzes direkt an der Kinzig gelegen - frühjahrsbestellte und plötzlich ein Jeep mit zwei GI’s neben ihnen hielt, die dem Vater "Come on" zuriefen und ihn ins Rathaus brachten, wo ihm ein Offizier eröffnete, dass er ab sofort Bürgermeister sei. Kurt Fischer nimmt an, dass antifaschistische Schlüchterner Bürger dem Stadtkommandanten den Tipp gegeben hatten, den Verwaltungsfachmann Otto Fischer zum Bürgermeister zu machen. Eine seiner ersten Amtshandlungen, nicht auf Befehl der Besatzungsarmee getroffen, sondern aus eigener Verantwortung, war der Auftrag an den Sanitäter Friedrich Baist, die Leichname zweier deutscher Soldaten umzubetten und auf dem Friedhof würdig zu bestatten. Ein "Fliegendes Standgericht" unter Vorsitz des krankhaft fanatischen Majors Helm hatte die beiden Soldaten, angeblich Deserteure, am 28. März zum Tode verurteilt. Der eine wurde am Stadtausgang Richtung Fulda, etwa in Höhe des heutigen Blumen-Geschäfts Dörr, hingerichtet, der andere am Stadtausgang, etwa 100 Meter unterhalb von Reifen Simon. Wie in diesen Tagen und aus diesem Anlass üblich, hatte man ihre Leichname am Straßenrand verscharrt. Otto Fischers Amtszeit endete nach dreimonatiger harter Arbeit Mitte Juli. Der neue US-Kreiskommandant, Captain Parkins, hatte angeordnet, dass die städtischen Beamten und Angestellten, die der NSDAP angehört hatten, sofort und ausnahmslos aus ihren Ämtern zu entfernen seien. Im Zuge dieser "Säuberungsaktion" schied der von seinen Mitbürgern geschätzte Bürgermeister aus dem Amt. Sein Sohn nimmt an, dass sein Vater suspendiert wurde, weil er den Befehlen des neuen Stadtkommandanten zur "Säuberung" der Stadtverwaltung von "belasteten" Beamten und Angestellten widersetzt hat. Otto Fischer hat in den Nachkriegsjahren als maßgeblicher und gesellschaftlich angesehener Repräsentant der SPD in unserer Stadt, u.a. im Magistrat, und darüber hinaus als Kreisbeigeordneter im Landkreis Schlüchtern gemeinsam mit anderen sozialdemokratischen Politikern der ersten Stunde wie Kurt Marburger, Ulrich Hohmann und Hans Föller aus Schlüchtern, Hans Berthold aus Sterbfritz und Bernhard Romeiser aus Steinau bleibende Verdienste um die demokratische Entwicklung unserer Stadt und des Landkreises Schlüchtern erworben. Er starb am 22. April 1969 in Schlüchtern.
Dr. Otto Vitense
  1. Dr. Vitense, Otto, geboren am 19. Juli 1912 in Neubrandenburg, Kunst- und Literaturwissenschaftler, arbeitete in einem großen Verlag in Berlin, heiratete dort die Rotkreuz-Schwester Anneliese Steinfeld aus Schlüchtern, und als die Familie im Juli 1944 ausgebombt wurde, zog sie in unsere Stadt und wohnte im Haus Weinbergstraße 8 (heute Poststraße). Er trat Mitte Juli auf Anordnung des Stadtkommandanten die Nachfolge Otto Fischers an und blieb im Amt bis zum Jahresende. Einen Schwerpunkt in seiner Amtszeit bildete die Unterbringung der Flüchtlinge, Vertriebenen und Evakuierten. 1939 lebten in unserer Stadt 3500 Menschen. 1946 mussten 5600 untergebracht werden, ohne Erweiterung des Wohnungsbestandes. Es war schwer, die unpopulären Maßnahmen der Besatzungsmacht durchzudrücken. Und die Amerikaner waren nicht zimperlich, wenn es galt, dem Bürgermeister zu zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat. Georg Kempf erinnert sich, dass die GI’s im Umgang mit den Schlüchternern nicht zartfühlend waren. Auch dem Bürgermeister Dr. Vitense verpasste einmal ein GI mit einem Faustschlag ein blaues Auge, um ihn wieder auf Kurs zu bringen. Der Intellektuelle aus Berlin hat viele Impulse für den Neubeginn im politischen und kulturellen Leben unserer Stadt gegeben. Er gilt als einer der Gründungsväter der CDU in Stadt und Landkreis Schlüchtern; und er wurde 1946 zum ersten Kreisvorsitzenden der CDU gewählt. Seine Mitstreiter in jenen Monaten waren unter anderen die Schlüchterner Wilhelm Lambert, Ludwig Steinfeld, Johannes Heil und Julius Schäfer, Egon Isenberg aus Steinau und Nikolaus Ommert aus Oberkalbach. Seine Bürgermeister-Amtszeit endete im Dezember 1945. Ob er aus eigenen Stücken abdankte oder ob ihm der Stadtkommandant die "rote Karte" zeigte, lässt sich nicht mehr ermitteln. Gut zwei Jahre später wurde er zum Landrat des Untertaunuskreises gewählt. Er blieb es bis zu seinem plötzlichen Tod am 29. Dezember 1962. Hochangesehen und erfolgreich wirkte er auch in zahlreichen Ehrenämtern und in der Synode der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau. Seine Beisetzung auf dem Friedhof in Bad Schwalbach mit einer tausendköpfigen Trauergemeinde war ein Staatsakt. Kirchenpräsident D. Martin Niemöller hielt die Trauerpredigt.
Hans Bertram
  1. Bertram, Hans, geboren am 16. September 1902 in Essen, war kaufmännischer Angestellter in seiner Heimatstadt. Weil seine Frau Verwandte in Elm hatte, wurde die Familie aus dem bombengefährdeten Ruhrgebiet in den sichereren Bergwinkel evakuiert. Hierher kam Hans Bertram nach Krieg und kurzer Gefangenschaft. Die Familie wohnte im Haus Bahnhofstraße/Ecke Winkelpfad. Er engagierte sich politisch im Kreis jener Männer, die den ersten Schlüchterner CDU Stadtverband gründeten, und konnte wegen seiner Englischkenntnisse Dr. Vitense gelegentlich bei dessen Verhandlungen mit dem Stadtkommandanten unterstützen. Dieser bestimmte ihn Ende 1945 zum neuen Bürgermeister. Nur wenige Wochen blieb er der Bürgermeister der Amerikaner. Am 20. Januar 1946 wählten die Schlüchterner ihre Stadtverordnetenversammlung zum erstenmal nach der zwölfjährigen nationalsozialistischen Diktatur wieder nach demokratischen Grundsätzen und Regeln. Dabei führte die Besatzungsmacht Regie. Dennoch waren viele Bürger nicht wahlberechtigt und nicht wählbar, so unter anderen, wer vor 1937 der NSDAP beigetreten oder Amtsträger einer nationalsozialistischen Organisation und Gliederung wie SA oder HJ und BdM war oder auch wer mit den Nazis "stark sympathisiert" hatte. Nur 2683 Schlüchterner durften wählen. Von den sieben zu wählenden Stadtverordneten stellte die CDU 4 (Konrad Walter, Dr. Otto Vitense, Josef Kraft und Julius Schäfer) und die SPD 3 (Nikolaus Fischer, Anton Förster und Philipp Deuker). Die Demokratische Partei und die KPD gingen leer aus. Wenige Tage später fand die Bürgermeisterwahl statt. Hans Bertram wurde mit einer Stimme Vorsprung vor seinem Mitbewerber Otto Fischer zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt. Er blieb es bis 1952. In diesem Jahr wählten ihn die Eltviller zu ihrem Bürgermeister. Er hatte dieses Amt inne bis zu seinem Tod am 18. Juni 1958.

Sechs Bürgermeister in 60 Jahren

Schon wenige Wochen nach dem Sieg der Alliierten über Deutschland und über Adolf Hitlers "Drittes Reich" kühlten die Beziehungen zwischen ihnen spürbar ab. Vorboten des Kalten Kriegs zwischen den USA und der Sowjetunion zeigten sich. Wer davon profitierte, waren die West-Zonen. Schnell wandelte sich West-Deutschland vom Besiegten zum umworbenen Bündnispartner der Amerikaner. Städte und Gemeinden konnten ihre Dinge wieder in eigener Verantwortung regeln und ohne US-Kontrolle ihre Stadtverordneten und Gemeindevertreter, ihre Landräte und Bürgermeister selbst wählen. Hans Bertram, dem ersten demokratisch gewählten Bürgermeister unserer Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg, folgten nach demokratischen Regeln und guter kommunalpolitischer Normalität die Stadtoberhäupter Dr. Max Eckert (*1901, †1987, Bürgermeister 1952-1958), Friedrich Langerwisch (*1918, †1965, Bürgermeister 1958-1965), Dr. Reinhold Anderlitschek (*1915, †2004, Bürgermeister 1965-1980), Hans Schott (*1929, Bürgermeister 1980-1992) und Falko Fritzsch (*1948, Bürgermeister seit 1992). Zusammen sechs Bürgermeister in 60 Jahren.

Auszug aus dem Bergwinkel-Boten Heimatkalender 2007, S. 63-71. Hrsg. vom Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises mit freundlicher Genehmigung des Autors Ernst Müller-Marschhausen.

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